Mein Kind früh fördern

Kindgerechte Förderung der natürlichen Anlagen eines Kindes (ab 4 Jahre).

Grundlagen

Einleitung

Jedes Kind bringt von Geburt an eigene Anlagen, Begabungen und innere Möglichkeiten mit.

Schon mit etwa 4 Jahren kann man gut erkennen, wofür sich ein Kind von selbst interessiert. Man sieht oft auch, was ihm leichtfällt, wie es lernt, wie es spielt und wie es auf andere Menschen reagiert.

Kindgerechte Förderung bedeutet nicht, ein Kind früh in eine bestimmte Richtung zu drängen. Es bedeutet, das Kind aufmerksam zu beobachten. Es bedeutet auch, seine Freude, seine Stärken und seine Eigenart spielerisch zu unterstützen.

Ein Kind soll viele Erfahrungen machen dürfen. Es soll ausprobieren, entdecken, spielen, fragen, bauen, erzählen, sich bewegen und mit anderen Kindern zusammen sein.

In der frühen Kindheit entfalten sich viele Anlagen besonders stark. Deshalb ist diese Zeit sehr wichtig. Bei einem 4-jährigen Kind geht es nicht darum, schon einen späteren Beruf festzulegen. Es geht darum, zu erkennen, was das Kind von sich aus immer wieder tut.

Eine gute Förderung richtet sich nach dem Kind selbst. Sie achtet auf seine Neugier. Sie achtet auf sein Spiel. Sie achtet darauf, wobei das Kind lange aufmerksam bleibt. Sie achtet auch darauf, was dem Kind Freude macht.

talento432 hilft Eltern, Erzieherinnen und Erziehern dabei, die natürlichen Anlagen eines Kindes besser zu verstehen.

Im Mittelpunkt steht nicht frühe Leistung. Im Mittelpunkt steht eine liebevolle, spielerische und kindgerechte Förderung.

Wichtig ist nicht, alles zu fördern, was möglich ist. Wichtig ist zu beobachten, wo das Kind von selbst Kraft, Freude und Ausdauer zeigt.

Bei einem 4-jährigen Kind sollte man nicht fragen: „Was soll das Kind später einmal beruflich machen?"

Man sollte besser fragen: „Wohin geht das Kind immer wieder freiwillig zurück, ohne Druck, ohne Belohnung und ohne Aufforderung?"

Dort liegt oft die stärkste innere Kraft des Kindes.

Interesse, Begabung und innere Kraft

Ein Interesse bedeutet: Das Kind beschäftigt sich gerne mit einer Sache.
Beispiel: Das Kind malt gerne.

Eine Begabung bedeutet: Das Kind macht etwas auffallend leicht, schnell oder einfallsreich.
Beispiel: Das Kind malt nicht nur gerne. Es erkennt Formen, Farben und Einzelheiten besonders gut.

Innere Kraft bedeutet: Das Kind kehrt über Wochen und Monate immer wieder zu einer Sache zurück.
Beispiel: Das Kind malt, erzählt Geschichten dazu, baut Szenen dazu, erklärt sie anderen und möchte sie zeigen.

Die innere Kraft erkennt man an Wiederholung. Man erkennt sie nicht an einem einzelnen besonderen Moment.

Fünf Beobachtungsfragen

Fünf wichtige Beobachtungsfragen

Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sollten ein Kind über mehrere Wochen beobachten.

  1. Wobei vergisst das Kind die Zeit? Das ist ein sehr starker Hinweis auf echte Freude und innere Kraft.
  2. Was beginnt das Kind von selbst? Wichtig ist nicht nur, was das Kind macht, wenn Erwachsene es anbieten. Wichtig ist, was das Kind selbst sucht.
  3. Was wiederholt das Kind freiwillig? Wiederholung ist wichtiger als kurze Begeisterung.
  4. Wobei wird das Kind besser, ohne dass man stark üben muss? Dort liegt oft eine natürliche Begabung.
  5. Wobei zeigt das Kind Stolz, Lebendigkeit oder innere Ruhe? Manche Kinder strahlen, wenn sie etwas vorspielen dürfen. Andere Kinder werden ruhig und gesammelt, wenn sie bauen. Wieder andere Kinder blühen auf, wenn sie etwas erklären dürfen.

Die 18 Bereiche

Wichtige Bereiche eines Kindes

Bereich 1: Sprache, Erzählen und Erklären

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gerne spricht, erzählt, fragt und Dinge erklärt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind viele Fragen stellt. Es erzählt gerne. Es benennt Dinge genau. Es erfindet Geschichten. Es möchte anderen etwas erklären. Es reagiert stark beim Vorlesen. Es spricht gerne Rollen nach. Es nimmt neue Wörter schnell auf.

Später kann daraus eine Stärke im Sprechen, Erklären, Beraten, Unterrichten, Verkaufen oder Vortragen entstehen.

Bereich 2: Beobachten, Ordnen und genaues Hinschauen

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gern Dinge erkennt, sortiert, vergleicht und verbessert.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Dinge ordnet. Es bemerkt Fehler. Es erkennt Muster. Es fragt oft: „Warum?" Es sieht Unterschiede. Es macht gerne Puzzles. Es möchte Abläufe verstehen. Es möchte Dinge besser machen.

Später kann daraus eine Stärke im Prüfen, Ordnen, Planen, Erkennen von Stärken, Lösen von Aufgaben und Verstehen von Zusammenhängen entstehen.

Bereich 3: Ausdruck, Vorspielen und Gestalten

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gerne zeigt, spielt, gestaltet und auf andere wirkt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind gerne etwas vorspielt. Es verkleidet sich. Es tanzt. Es erzählt laut. Es zeigt gerne eigene Ideen. Es möchte gesehen werden. Es kann andere mitreißen.

Später kann daraus eine Stärke im Vortragen, in der Werbung, in der Führung, in den Medien, im Verkauf oder im öffentlichen Auftreten entstehen.

Bereich 4: Beziehung, Ausgleich und soziales Gespür

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gut mit anderen Kindern umgehen kann.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind zwischen Kindern vermittelt. Es spürt Stimmungen. Es spielt gerne mit anderen. Es verteilt Rollen. Es spricht Streit an. Es achtet auf Gerechtigkeit. Es möchte verbinden, beruhigen oder ausgleichen.

Später kann daraus eine Stärke im Beraten, im Umgang mit Kundinnen und Kunden, in der Arbeit mit Menschen, in der Begleitung, in der Mitarbeitersuche, im Verhandeln oder in der Leitung von Gruppen entstehen.

Bereich 5: Bauen, Zusammensetzen und Verstehen von Technik

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gerne baut, Dinge zusammensetzt und wissen will, wie etwas funktioniert.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind gerne mit Bausteinen, Steckspielen, Magneten oder ähnlichen Dingen spielt. Es möchte Dinge auseinandernehmen oder zusammenbauen. Es will wissen, wie etwas funktioniert. Es baut Türme, Fahrzeuge, Häuser oder Maschinen. Es beobachtet technische Geräte neugierig. Es repariert, schraubt, steckt oder verbindet gerne. Es denkt gut in Formen und Räumen. Es sucht feste und brauchbare Lösungen.

Später kann daraus eine Stärke in Technik, Handwerk, Bauplanung, Robotertechnik, Konstruktion, Entwicklung von Produkten oder im Lösen praktischer Aufgaben entstehen.

Bereich 6: Bewegung, Körper und Geschicklichkeit

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind viel Bewegung braucht und seinen Körper gut einsetzen kann.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind viel läuft, springt, klettert oder tanzt. Es ahmt Bewegungen schnell nach. Es balanciert gerne. Es ist mit Händen und Körper geschickt. Es baut Spannung durch Bewegung ab. Es mag Ballspiele, Fangspiele und Bewegungsaufgaben. Es sucht körperliche Herausforderungen. Es hat Freude an Rhythmus und Schnelligkeit.

Später kann daraus eine Stärke in Sport, Tanz, Handwerk, Bewegungsschulung, helfenden Bewegungsberufen, Körperarbeit oder praktischer Umsetzung entstehen.

Bereich 7: Natur, Tiere, Pflanzen und Umwelt

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind Lebendiges aufmerksam wahrnimmt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Tiere genau beobachtet. Es sammelt Pflanzen, Steine, Blätter oder kleine Tiere. Es ist gerne draußen. Es stellt Fragen zu Natur, Wetter, Erde oder Tieren. Es möchte sich um Tiere oder Pflanzen kümmern. Es geht achtsam mit Lebendigem um. Es bemerkt Veränderungen in der Natur. Es spielt gerne im Garten, im Wald oder am Wasser.

Später kann daraus eine Stärke in Naturkunde, Umweltarbeit, Landwirtschaft, Tierberufen, Naturbildung, Ernährung oder dem Schutz der Natur entstehen.

Bereich 8: Musik, Rhythmus und Klang

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind stark auf Töne, Musik und Rhythmus reagiert.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind gerne singt. Es klopft Rhythmen nach. Es erkennt Musik schnell wieder. Es reagiert stark auf Geräusche. Es tanzt oder bewegt sich gerne zu Musik. Es erfindet eigene Lieder. Es möchte Instrumente ausprobieren. Es merkt sich Melodien schnell.

Später kann daraus eine Stärke in Musik, Sprache, Stimme, Rhythmus, Medien, Erziehung, Auftritt oder gefühlvoller Wirkung entstehen.

Bereich 9: Zahlen, Mengen, Muster und klares Denken

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gern zählt, vergleicht und Regeln erkennt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind gerne zählt. Es vergleicht Mengen. Es erkennt Reihenfolgen. Es setzt Muster fort. Es versteht einfache Regeln schnell. Es sortiert und gruppiert gerne. Es findet Zahlen, Formen oder Zeichen interessant. Es sucht klare Lösungen.

Später kann daraus eine Stärke in Rechnen, Auswerten von Zahlen, Computerarbeit, Geldwesen, Planung, Ordnung von Abläufen oder klarem Denken entstehen.

Bereich 10: Helfen, Pflegen und Trösten

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind fein auf andere Menschen reagiert und gerne hilft.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind andere tröstet. Es kümmert sich um kleinere Kinder. Es versorgt Puppen, Tiere oder Figuren. Es merkt, wenn jemand traurig ist. Es möchte helfen. Es gibt Nähe und Sicherheit. Es umsorgt gerne. Es reagiert auf Verletzungen oder Unwohlsein.

Später kann daraus eine Stärke in Erziehung, Pflege, Medizin, Begleitung, sozialer Arbeit, Hilfe für andere Menschen oder heilenden Berufen entstehen.

Bereich 11: Führen, Entscheiden und Ordnen

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gerne Verantwortung übernimmt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Spiele anleitet. Es verteilt Rollen. Es möchte Entscheidungen treffen. Es motiviert andere. Es stellt Regeln auf. Es hält Gruppen zusammen. Es steht gerne vorne. Es übernimmt Verantwortung.

Später kann daraus eine Stärke in Leitung, Unternehmensführung, eigener beruflicher Tätigkeit, Projektleitung, Erziehung, Organisation oder Gruppenführung entstehen.

Bereich 12: Fantasie, Erfinden und neue Welten

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind viele eigene Ideen hat.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Fantasiewelten erfindet. Es findet ungewöhnliche Lösungen. Es macht aus Alltagsgegenständen neue Spiele. Es erschafft Geschichten, Figuren oder Szenen. Es probiert gerne aus. Es nutzt Dinge anders, als sie gedacht sind. Es stellt viele „Was wäre, wenn …?"-Fragen. Es bleibt hartnäckig an eigenen Ideen dran.

Später kann daraus eine Stärke im Erfinden, Gestalten, Gründen, Forschen, in kreativen Berufen, in der Entwicklung neuer Angebote oder im Erzählen von Geschichten entstehen.

Bereich 13: Regeln, Gerechtigkeit und Fairness

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind stark auf Recht, Unrecht und klare Abmachungen achtet.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Regeln wichtig findet. Es bemerkt Ungerechtigkeit. Es sagt: „Das ist unfair." Es spricht Streit an. Es möchte klare Abmachungen. Es erinnert andere an Regeln. Es möchte Ordnung in Gruppen bringen. Es spürt Recht und Unrecht stark.

Später kann daraus eine Stärke in Recht, Erziehung, Streitvermittlung, Verwaltung, Verantwortung, Führung oder Lösung von Streit entstehen.

Bereich 14: Rückzug, Vertiefung und Konzentration

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind lange bei einer Sache bleiben kann.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind lange mit einer Sache beschäftigt bleibt. Es spielt gerne allein. Es vertieft sich stark in Themen. Es betrachtet Einzelheiten genau. Es braucht Ruhe. Es sucht nicht ständig Gruppen. Es übt Dinge wiederholt. Es hat eigene innere Welten.

Später kann daraus eine Stärke im Forschen, genauen Prüfen, Schreiben, in Technik, Kunst, Wissenschaft oder durchdachtem Handeln entstehen.

Bereich 15: Mut, Durchsetzung und Abenteuer

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind gerne Neues wagt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Neues ausprobieren möchte. Es testet Grenzen. Es traut sich körperlich etwas zu. Es handelt schnell. Es sucht Herausforderungen. Es lässt sich nicht leicht abschrecken. Es geht eigene Wege. Es findet Wettkampf spannend.

Später kann daraus eine Stärke in eigener beruflicher Tätigkeit, Sport, Einsatzberufen, Verkauf, Führung, neuen Vorhaben oder dem Umgang mit schwierigen Lagen entstehen.

Bereich 16: Ordnung, Ausdauer und praktische Aufgaben

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind zuverlässig, sorgfältig und ausdauernd handelt.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Dinge gerne an ihren Platz legt. Es möchte Aufgaben fertig machen. Es liebt feste Abläufe. Es mag Wiederholungen. Es arbeitet sorgfältig. Es hilft beim Aufräumen, Kochen oder anderen Aufgaben. Es nimmt konkrete Aufgaben ernst. Es möchte sichtbare Ergebnisse schaffen.

Später kann daraus eine Stärke in Organisation, Verwaltung, Handwerk, Prüfen von Qualität, Warenbewegung, Ablaufarbeit oder praktischer Verantwortung entstehen.

Bereich 17: Verkaufen, Tauschen und Überzeugen

Dieser Bereich ist wichtig, wenn ein Kind andere für etwas gewinnen möchte.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind andere von Ideen überzeugen will. Es möchte Dinge tauschen. Es bietet eigene Spielideen an. Es begründet seine Meinung. Es verhandelt. Es gewinnt gerne. Es lenkt Aufmerksamkeit auf etwas. Es bringt andere zum Mitmachen.

Später kann daraus eine Stärke im Verkauf, in Werbung, im Verhandeln, in eigener beruflicher Tätigkeit, in Beratung, im Vortragen oder im Umgang mit Kundinnen und Kunden entstehen.

Bereich 18: Neugier auf Bildschirm, Zeichen und Bilder

Dieser Bereich kann für die Zukunft wichtig sein. Bei 4-jährigen Kindern sollte man ihn aber nur sehr vorsichtig beobachten.

Man erkennt diesen Bereich daran, dass das Kind Bildabläufe schnell versteht. Es erkennt Zeichen und einfache Bildsymbole. Es probiert einfache Bedienungen am Bildschirm aus. Es verfolgt Bilder, Filme oder bewegte Bilder aufmerksam. Es versteht schnell, was am Bildschirm eine Wirkung auslöst. Es erkennt einfache Bedienlogik. Es nutzt gerne sichtbare Muster. Es erzählt oder spielt Inhalte nach, die es gesehen hat.

Später kann daraus eine Stärke in Medien, Gestaltung, Computerarbeit, Programmen mit künstlicher Intelligenz, sichtbarer Verständigung oder dem Erstellen von Bildern, Texten und einfachen Inhalten entstehen.

Eine klare Hauptlinie

Eine klare Hauptlinie finden

Viele einzelne Bereiche können zu einer einfachen Hauptlinie zusammengeführt werden.

Ein Beispiel lautet:

  • Das Kind versteht Menschen.
  • Das Kind schaut genau hin.
  • Das Kind erklärt Lösungen.
  • Das Kind kann andere dafür gewinnen.

Das ist klarer als eine lange Liste aus Sprache, Kunst, Technik, Sozialem, Bewegung, Ordnung, Bildung und Bühne.

Beim Kind kann sich z. B. zeigen, dass die stärkste Richtung nicht nur im Handwerk liegt. Sie liegt oft auch nicht nur in Technik, Kunst oder Pflege.

Wahrscheinlicher ist eine solche Verbindung:

  • Genau hinschauen.
  • Gut sprechen.
  • Vermitteln.
  • Gestalten.

Mögliche spätere Richtungen könnten sein:

Das Kind könnte später Menschen bei Bildung und Beruf beraten. Es könnte Begabungen erkennen. Es könnte Menschen begleiten. Es könnte im Verkauf oder in der Beratung stark sein. Es könnte in Werbung, Schulung, Lernangeboten, beruflicher Orientierung, Unternehmensberatung im Bildungsbereich oder in eigenen Vorhaben arbeiten.

Was vermeiden

Wie man Zerstreuung vermeidet

Man sollte ein Kind nicht mit zu vielen Angeboten gleichzeitig überladen.

Ungünstig wäre es, gleichzeitig Musikschule, Fremdsprache, Turnen, Malen, Theater, Technik, Fußball, Tanz, Frühförderung und Computer anzubieten.

Das zerstreut die Kraft des Kindes.

Besser ist ein breites freies Spiel im Alltag. Zusätzlich sollte es pro Zeitabschnitt nur ein bis zwei bewusste Förderschwerpunkte geben.

Beobachtungs-Werkzeuge

Das Drei-Monats-Prinzip

Man sollte nicht ständig neue Angebote machen. Besser ist es, jeweils drei Monate lang nur zwei Hauptbereiche besonders zu beobachten.

Ein Beispiel für die ersten drei Monate: Man beobachtet Sprache und Erzählen. Man beobachtet Bauen und Ordnen.

Danach fragt man:

  • Was kam von selbst?
  • Was wurde wiederholt?
  • Wo war Freude?
  • Wo gab es Entwicklung?
  • Wo gab es Widerstand?

In den nächsten drei Monaten kann man andere Bereiche beobachten. Ein Beispiel: Man beobachtet Rollenspiel und Vorspielen. Man beobachtet gemeinsames Spielen mit anderen Kindern.

So erkennt man Muster, ohne das Kind zu überladen.

Die beste Beobachtungsmethode: ein Begabungs-Tagebuch

Eltern, Erzieherinnen und Erzieher können ein einfaches Begabungs-Tagebuch führen. Einmal pro Woche reichen fünf Minuten.

Man notiert:

  • Was hat das Kind freiwillig gewählt?
  • Wobei war es lange konzentriert?
  • Was hat es wiederholt?
  • Was hat es anderen gezeigt oder erklärt?
  • Wo gab es besondere Freude?
  • Wo gab es Ärger oder Widerstand?
  • Was fiel dem Kind auffallend leicht?

Nach acht bis zwölf Wochen sieht man oft klare Muster.

Ein einfaches Ampelsystem

Grün — weiter fördern: Das Kind beginnt freiwillig. Es bleibt lange dabei. Es kehrt immer wieder zurück. Es zeigt Freude. Es macht Fortschritte. Es möchte danach davon erzählen oder es zeigen.

Gelb — nur manchmal anbieten: Das Kind mag es manchmal. Es kehrt aber nicht von selbst zurück. Es wechselt schnell. Es zeigt wenig Eigenantrieb.

Rot — nicht erzwingen: Das Kind zeigt dauerhaft Widerstand. Es wirkt erschöpft. Es macht nur wegen Lob mit. Es ist danach gereizt. Es sucht keine Wiederholung. Es muss ständig gedrängt werden.

Was man nicht zu stark betonen sollte

Beim Kind sollte man mit reiner Technikförderung vorsichtig sein. Technik kann passen. Sie sollte aber nur eine Ergänzung sein. Man sollte das Kind nicht zu früh als „Technik-Kind" festlegen.

Zu viel Bühne kann ungünstig sein. Ausdruck ist wichtig. Aber zu viel Applaus kann abhängig machen. Bühne ist gut, wenn sie spielerisch bleibt. Das Kind sollte nicht lernen: „Ich bin der Star."

Zu viel genaues Prüfen kann ungünstig sein. Das Kind sollte nicht ständig auf Fehler hingewiesen werden. Es sollte nicht ständig gemessen oder bewertet werden.

Zu viel Anpassung an andere Menschen kann ungünstig sein. Das Kind soll nicht lernen: „Ich bin nur gut, wenn alle zufrieden sind."

Auch zu frühes Denken an Berufe ist ungünstig. Man sollte nicht fragen: „Was willst du einmal werden?"

Besser ist:

  • „Was machst du gerne?"
  • „Was möchtest du herausfinden?"
  • „Was möchtest du ausprobieren?"

Förder-Praxis

Eine einfache Förderformel

Beim Kind kann man die Förderung ungefähr so bündeln:

  • Die Hälfte der Förderung sollte in Sprache, Erzählen, Fragen, Erklären, Vorlesen und Rollenspiel fließen.
  • Ein Viertel der Förderung sollte in geordnetes Denken fließen. Dazu gehören Puzzles, Sortieren, Bauen, Muster und kleine Versuche.
  • Ein kleinerer Teil sollte in Ausdruck und Zeigen fließen. Dazu gehören Theater, Bewegung, kleine Auftritte, Zeichnen und Gestalten.
  • Ein weiterer kleiner Teil sollte in soziales Lernen fließen. Dazu gehören gemeinsames Spielen, Streitschlichten, Fairness und Rollenwechsel.

Diese Mischung ist klar genug. Sie ist aber nicht einseitig.

Hauptlinie & beruflicher Kern

Die wichtigste Frage für Erwachsene

Erwachsene sollten nicht fragen: „Wie fördern wir alle Anlagen?"

Sie sollten besser fragen: „Welche zwei oder drei Anlagen verbinden sich beim Kind immer wieder von selbst?"

Beim Kind sollte man besonders solche Verbindungen beobachten:

Die erste Verbindung ist Erzählen und Vorspielen.
Das Kind erfindet Geschichten und spielt sie vor. Später kann daraus eine Stärke im Vortragen, in Medien, Verkauf oder Schulung entstehen.

Die zweite Verbindung ist Fragen und Ordnen.
Das Kind will wissen, warum etwas so ist. Es sortiert und vergleicht. Später kann daraus eine Stärke im Erkennen, Prüfen, Beraten, Forschen oder Verbessern entstehen.

Die dritte Verbindung ist Menschen und Erklären.
Das Kind erklärt anderen Kindern etwas oder vermittelt zwischen ihnen. Später kann daraus eine Stärke in Begleitung, Bildung, Beratung, Mitarbeitersuche oder Arbeit mit Menschen entstehen.

Die vierte Verbindung ist Bauen und Erklären.
Das Kind baut etwas und erklärt, wie es funktioniert. Später kann daraus eine Stärke in Systemen, Plattformen, Entwicklung von Angeboten oder Geschäften über das Internet entstehen.

Die stärkste Verbindung über längere Zeit ist wichtiger als jedes einzelne Interesse.

Der wahrscheinlich wertvollste berufliche Kern

Beim Kind könnte der langfristige Kern so beschrieben werden:

Das Kind kann später stark darin werden, Menschen, Möglichkeiten und Zusammenhänge zu verstehen. Es kann daraus verständliche Lösungen machen.

Einfach gesagt: Das Kind könnte später besonders gut darin sein, genau hinzuschauen, gut zu erklären und andere Menschen sinnvoll zu unterstützen.

Das ist eine sehr wertvolle innere Kraft. Sie kann später in viele Richtungen führen. Man muss heute noch keinen Beruf festlegen.

Ein konkreter Förderplan ohne Zerstreuung

Jeden Tag sollte es Zeit für Vorlesen, Erzählen, freies Spiel, Bewegung und kleine Verantwortung geben.

Dreimal pro Woche kann man Bauen, Puzzles, Sortieren oder kleine Entdeckungen anbieten.

Zweimal pro Woche kann man Rollenspiel, Theater, Vorspielen oder Gestalten anbieten.

Einmal pro Woche kann man Naturbeobachtung oder ein kleines Forscher-Spiel machen.

Es sollte immer nur einen Kurs außerhalb des Alltags gleichzeitig geben. Das kann zum Beispiel Kinderturnen sein. Oder Musik und Tanz. Oder kreatives Gestalten. Mehrere Kurse gleichzeitig sind nicht sinnvoll.

Im Alltag

Woran man einen passenden Kurs erkennt

Ein Kurs passt, wenn das Kind gerne hingeht, wenn es danach davon erzählt, wenn es zu Hause etwas daraus wiederholt, wenn es eigene Ideen daraus entwickelt und wenn es nicht dauerhaft erschöpft wirkt.

Ein Kurs passt nicht, wenn das Kind nur wegen der Eltern hingeht, wenn es vorher regelmäßig Widerstand gibt, wenn es danach gereizt ist, wenn daraus keine eigene Aktivität entsteht oder wenn Leistung wichtiger ist als Freude.

Die beste Förderung im Kindergarten

Im Kindergarten sollte man nicht alles gleichzeitig fördern. Besser ist es, dem Kind Rollen zu geben, die mehrere Stärken verbinden.

Das Kind könnte zum Beispiel Geschichten erzählen. Es könnte anderen erklären, was es gebaut hat. Es könnte beim Ordnen von Pflanzen, Bildern oder Materialien helfen. Es könnte im Morgenkreis mitgestalten. Es könnte spielerisch beim Lösen kleiner Streitigkeiten helfen. Es könnte als Forscherkind kleine Dinge beobachten. Es könnte Bilderbücher erklären. Es könnte als Gruppenhelferin oder Gruppenhelfer kleine Verantwortung übernehmen.

So verbinden sich Sprache, Ordnung, soziales Gespür und Ausdruck.

Zusammenfassung

Kurz gesagt: So vermeidet man Zerstreuung
  • Man zerstreut die Kraft eines Kindes nicht, wenn man auf Wiederholung achtet.
  • Man sollte nicht jedes Talent sofort fördern.
  • Man sollte höchstens zwei Schwerpunkte für drei Monate setzen.
  • Man sollte nur einen Kurs gleichzeitig wählen.
  • Man sollte einzelne Interessen zu stärkeren Grundrichtungen zusammenführen.
  • Man sollte nicht Berufe fördern, sondern Grundfähigkeiten.
  • Man sollte alle acht bis zwölf Wochen neu hinschauen.
  • Man sollte das Kind nicht mit Zielen von Erwachsenen belasten.
Schluss-Empfehlung

Beim Kind sollte man die vielen Möglichkeiten auf drei starke Grundkräfte konzentrieren.

Die erste Grundkraft ist Sprache und Vermittlung.
Dazu gehören erzählen, erklären, fragen, zuhören und benennen.

Die zweite Grundkraft ist genaues Hinschauen und Ordnung.
Dazu gehören beobachten, vergleichen, sortieren, Muster erkennen und verbessern.

Die dritte Grundkraft ist Ausdruck und Wirkung auf andere.
Dazu gehören vorspielen, zeigen, gestalten, zusammenarbeiten und vermitteln.

Diese drei Felder können später eine starke berufliche Richtung bilden. Diese Richtung kann in Beratung, Bildung, Verständigung, Erkennen von Begabungen, Werbung, Mitarbeitersuche und eigener beruflicher Tätigkeit wichtig werden.

Die wichtigste praktische Regel lautet: Man soll nicht alles fördern. Man soll das vertiefen, was beim Kind immer wieder von selbst lebendig wird.